Karl Otto Götz

Karl Otto Götz, bekannt als K.O. Götz, gilt als einer der bedeutendsten noch lebenden Vertreter des deutschen Informel.
Der Künstler wurde am 22. Februar 1914 in Aachen geboren. Er besuchte ab 1932 die dortige Kunstgewerbeschule und studierte 1941 ein Semester an der Kunstakademie Dresden. An das in der Nazizeit seit 1935 für ihn geltende Mal- und Ausstellungsverbot hielt er sich nicht. K.O. Götz experimentierte in dieser Zeit trotz der Einschränkung und der Rekrutierung als Soldat zu Beginn des zweiten Weltkrieges 1939, weiterhin mit der Malerei, mit Film und Fotografie. Er blieb aber bei der Malerei als künstlerischem Ausdrucksmittel.

Bereits 1933 erkannte der Maler, dass die abstrakte Kunst für ihn Ausgangspunkt seiner eigenen künstlerischen Arbeit sein sollte. Mit Willi Baumeister verband Götz von 1939 bis zu dessen Tod 1955 eine langjährige Freundschaft. Ab 1933 schuf er mehr oder weniger figurativ-abstrakte Arbeiten, die ab 1945 in seinen wenigen abstrakten Luftpumpen-Bildern und seinen abstrakt-figurativen Monotypien erste informelle Bildelemente aufzeigen. Seine rein informellen Monotypien entstanden 1953 nachdem er 1952/53 künstlerisch eine eigene informelle Konzeption gefunden hatte.

Götz gab von 1948 bis 1953 die Zeitschrift für experimentelle Kunst und Poesie, „Meta“, heraus, und nahm Kontakt auf zu der CoBrA-Künstler-Gruppe, die dem Informel nahe stand. Die Gründungsmitglieder von CoBrA kamen aus Kopenhagen, Brüssel und Amsterdam. CoBrA lud Götz zu einem Treffen ein und nahm ihn als einziges deutsches Mitglied in die Gruppe auf.
Damit war Götz einer der ersten deutschen Künstler, der nach dem zweiten Welt- krieg ins Ausland reisen konnte. Danach begannen seine regelmäßigen Reisen nach Paris. Dort lernte er den Kosmopoliten und Kunstschriftsteller Eduard Jaguer kennen, dem er auch seine Zeitschrift „Meta“ geschickt hatte und der ihn mit vielen Künstlern und ihren Arbeiten u. a von Wols, Fautrier, Bryen, Michaux und Hans Hartung bekannt gemacht hat. Beflügelt durch die geistige und künstlerische Atmosphäre nach 1945 in dieser Stadt und die Kunst dieser Maler, wovon man die ersten vier der lyrischen Abstraktion oder dem französischen Tachismus und den fünften der abstrakten Malerei zurechnen kann, etablierte sich K. O. Götz als deutscher Informeller der „ersten Stunde“. Ausstellungen blieben nicht aus und er konnte 1953 seine ersten informellen Werke in der Zimmergalerie Frank in Frankfurt am Main und in Paris in verschiedenen Galerien wie in der Galerie Raymond Creuze und Daniel Cordier ausstellen.
Andere Einzel- und Gruppen-Ausstellungen fanden in den nächsten Jahren in schneller Folge statt.
Auch die Ideen-Welt des Surrealismus, der écriture automatique, das Subjektive, das Unbewußte und Unkontrollierte in Poesie und Kunst und die Bekanntschaft mit Künstlern des Surrealismus wie z. B. Max Ernst, Jacques Herold und Wolfgang Paalen vermittelte ihm sein Freund Eduard Jaguer.
Außer der Redaktion der Kunstzeitschrift „Meta“ verfasste Götz im Laufe der Zeit noch viele Schriften, mit denen er nicht nur unmittelbar nach der Nazidiktatur, sondern auch in den kommenden Jahrzehnten wesentlich zum kunsttheoretischen Diskurs in der BRD beitrug.

Zeitweise gehörte er neben CoBrA verschiedenen Künstler-Gruppierungen an. 1954 gründet er mit Eduard Jaguer die surrealistische Künstlergruppe „Phases“.
1952 initiierte K.O. Götz gemeinsam mit Bernhard Schultze in Deutschland (West) eine der ersten Informel-Ausstellungen in der Zimmergalerie Frank in Frankfurt am Main. Dort zeigten Bernhard Schultze, Otto Greis, Heinz Kreutz und K.O. Götz unter dem Namen „Quadriga“ ihre ersten informellen Arbeiten.

Von 1945 bis 1959 lebte Götz mit seiner Familie in Frankfurt am Main und besuchte dort oft das „Amerika-Haus“. Aus Kunstzeitschriften, die im Haus auslagen und durch die Ausstellungen, die von den USA aus, mit amerikanischer Kunst in europäischen Städten veranstaltet wurden, lernte Götz die Arbeiten der so genannten abstrakten Expressionisten aus den USA kennen. Die Arbeiten von Willem de Kooning und die Action Paintings von Jackson Pollock beeindruckten ihn besonders, so dass er selbst auf seine eigene Art Vergleichbares schaffen wollte.
Den gestischen Impulsen der „Drippings“, auf den auf dem Boden liegenden großen Leinwänden eines Pollock und den malerischen Rhythmisierungen der Bilder eines de Kooning, wollte K.O Götz eine eigenständige Malerei gegenüber stellen, ohne jedoch seine europäischen Wurzeln zu vergessen.

So entwickelte er ab 1952 seine individuelle Maltechnik. Mit langstieligen Pinseln und Rakeln malte er mit hoher Geschwindigkeit informelle Strukturen bzw. Fakturen, auf die mit Kleister versehenen, am Boden liegenden Leinwände.

Als kennzeichnend für die informelle Kunst gilt: Das Prinzip der Auflösung der klassischen Form, was bei seinen Arbeiten unter den informellen Künstlern und Künstlerinnen bis zu Beginn seines Spätwerkes 1999 am Klarsten zu Tage tritt.

Ende der 1990iger Jahre beginnt Götz innerhalb seiner Malerei verstärkt zu experimentieren und verlässt zum Teil seine klassische informelle Malerei.

In diesem Jahr entstehen die ersten gebrannten Keramiken. 2000 folgen vierzig Stahlreliefs und 2003, sechs Holzvögel. Es entstehen Gemälde mit unregelmäßig-wilden Pinselschlägen auf weißem und chromatisch eingefärbtem Grund und von der Keramik abgeleitete Strukturen. Seit 2003 benutzt und verknüpft er informelle und geometrische Strukturen innerhalb seiner Malerei. Mit den Gemälden Dresden I und II und Tornado, 2005, beginnt Götz, die Thematik Zeit- und Naturereignisse zu interessieren und beide Motiv-Kreise finden in seinen Arbeiten ihre kongeniale Darstellung, ohne dass er seine gegenstandslose Malerei verlässt.

Aus seiner von 1959 bis 1979 dauernden Tätigkeit als Professor für freie Kunst an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf gingen bedeutende Künstler und Künstlerinnen wie z.B. Kuno Gonschior, Gotthard Graubner, Signmar Polke, Gerhard Richter, Rissa, H.A. Schult und Franz Ehrhard Walther hervor.
1965 heiratete er die Künstlerin Rissa.

K.O. Götz hat zahlreiche Ehrungen erhalten, so 1989 den Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen. 1996 wird er mit dem Staatspreis für Malerei des Landes Rheinland-Pfalz ausgezeichnet. Es folgen drei Jahre später die Ernennung zum Ehrenmitglied der Kunstakademie Münster und die Auszeichnung mit dem Ehrenring der Stadt Aachen.
2002 werden die Maler der „Quadriga“ mit dem Binding-Kulturpreis der Stadt Frankfurt am Main ausgezeichnet.
2004 wird K.O. Götz Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf.
Als höchste Auszeichnung erhält der Maler 2007 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse vom Bundespräsidenten Prof. Dr. Horst Köhler in Berlin.

Zurzeit hängen 13 Götz-Arbeiten als Leihgabe in der Villa Hammerschmidt in Bonn. Das Historien-Gemälde Jonction III von 1991, welches er anlässlich der
Wiedervereinigung von BRD und DDR 1989/1991, gemalt hat, hängt jetzt nicht mehr in diesem Hause. Es ist auf Wunsch des Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert nach Berlin geholt worden, wo es ab November 2009 im Bundestag im Reichstag hängen wird. An dessen Stelle ist nun in der Villa Hammerschmidt, anlässlich des 60. Gründungsjahres der Bundesrepublik Deutschland, ein neu entstandenes Historienbild mit dem Titel 60 Jahre zu sehen.


September 2009

Dieser Text ist von K.O. Götz autorisiert

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